Grundlagen der Krabbenhaltung und Zucht Teil 1 von Fred Rosenau

 Krabbenscheiße oder der Grund, warum man nicht zu viel an den Aufbauten der Behältnisse von Krabben rum fummeln sollte, wenn sie eingezogen sind.

 

Von Fred Rosenau

  Tierpflegemeister 

Mit dieser Reihe will ich mal versuchen die immer wiederkehrenden Fragen bei der Krabbenhaltung zu beantworten und so eine Grundlage zu schaffen, wo der Anfänger als auch der Erfahrende zurückgreifen kann. Da ich auf Jahrzehnte lange Erfahrungen zurückgreifen kann, ist es so möglich meine persönlichen gewonnenen Erkenntnisse einen größeren Publikum zu kommen zu lassen. 

Mein kryptisches Foto zeigt schon wo es lang geht und somit auch die Auflösung meiner Frage in der Krabben Gruppe Wirbellosenwelt – Crustacea (Facebook) vom 24.08.2017.

 

Auf dem Foto sieht man schön die schwarzen Köttel (hier von Goniopsis polii) vor der Hütte (auf dem Blatt und im vorderem Bereich der Höhle). So kompakt und fest hatte ich sie nicht erwartet. Und darum ging es eigentlich ganz profan nur. Dieses Foto ist aber der Auslöser für diese Artikelreihe.

 

Oft hört man immer wieder meine Krabben graben das ganze Becken um, bevor sie Ruhe halbwegs geben. Logisch, wenn man bedenkt das die Wohnhöhle Rückzugsgebiet, - auch bei Häutung, Vorratskammer ist. Es macht also Sinn sich bei der Anschaffung ein paar Gedanken über die Lebensumstände der zu pflegenden Krabben zu machen.

 

Wenn die Krabben aus biologischen Gründen gerne sich in Höhlen zurückziehen, muss man sehen wie sie das in der Natur machen und warum. Schaut man sich die Habitate genauer an, bemerkt man, ohh die Graben im Sand/Humus eine Röhre und eventuell verbreitern sie die zum Ende hin um sich umdrehen zu können, etc.. Natürlich ist ein Schutz weit und breit oft nicht zu sehen, sondern nur Sand oder so offenes Wurzelwerk, dass man sofort bemerkt wenn sich was bewegt. Wobei Humus in den Tropen nicht gerade jetzt durch eine einsprechende Dicke glänzt, danach es ein Gemisch aus Sand Schluff und Tonmineralien (Laterit ist eine Bodensorte davon).

 

Blöde nur, Sand in entsprechender Dicke hat die super Eigenschaft sich geruchlich erheblich, nach relativ kurzer Zeit, bemerkbar zu machen. Das kann wunderbar nach faulen Eiern riechen und ist in öffentlichem Schaubereich kontraproduktiv der gewünschten Besucherzahlen. Der Ersatz den man ohne groß nachzudenken nimmt ist dann Kokoshum. Funktioniert zwar, aber die Grabetätigkeit machen die Krabben nicht gerade optisch sichtbar jeder Zeit und oft sehen sie sagen wir mal wie Fritzchen nach dem Pfütschensprung aus, eine braune undefinierte Maße bewegt sich Richtung Badeplatz. Logisch, das sowas danach aussieht wie Sau. Die Hygiene bleibt bei sowas aussen vor. Kennt man in der Zootierhaltung von Enten. Auch hat Humus nicht wirklich die Stabilität um die Wohnhöhle mittelfristig erhalten zu lassen.

 

Aber eigentlich geht es mir darum einen Zustand zu erreichen, wo ich die besten Bedingungen für die jeweilge Krabbenart schaffe, die beste Kontrolle und auch Hygiene habe. Letzteres wird oft vollkommen ausgeblendet, denn in der Natur wird das Habitat mindestens zweimal geflutet und durch extrem starke Strömungen gereinigt. Das können wir so im Moment gar nicht bieten. Logische Konsequenz bei der Mehtode Höhlenanbieten: Die Krabben hören sofort auf zu buddeln, wenn ihnen andere Möglichkeiten geboten werden. Das Wasser bleibt lange nutzbar. Der Strukturaufbau durch mehrere Höhlen lässt ein Aquarium bspw. Bedeutend effektiver nutzen. Die rennen gerne Überaufbauten und und und ...Spannend ist die haben Fressplätze dann und Waschplätze. Ich kann sie vergesellschaften ! Das ist besonders wichtig wenn ich sie züchten will. Noch besserer Nebeneffekt sie sehen ansehnlich und farblich Klasse aus.

Man sieht auf diesem Foto 3 G.polii (mittig halb unter der Tonröhre links, dann ein Männchen in der Tonröhre und eines hinten auf dem Kork.)

 

Ich habe dazu große Welshöhlen, aus gebranntem Ton genommen, für Krabben bis 15cm Carpaxdurchmesser. Leicht schräg gestellt, damit sich am Ende Wasser sammelt. Die Krabben nehmen gerne auch sehr enge Spalten in Kauf, wo sie gerade so hineinpassen. Daher eignen sich Porotonsteine besonders, bei kleineren Arten. Am Besten stellt ma sie so, dass sie liegend an die Rückwand grenzen, damit man mit Lampe kontrollieren kann ob alles in Ordnung ist. Die Rückwände kann man mit schwarzer Folie bekleben oder wenn man rannkommt selbsthaftenede Schweißerfolie (mit Adhäsionskraft). Besonders letztere haben die Eigenschaft das ich sie wieder einfach rückstandslos entfernen kann durch abziehen der Folie.

Das Bild zeigt sehr gut wie sich eine Batikkrabbe in den Zwischenraum gezwängt hat. Wer also beim „Häuslebau“ des Homo sapiens Bruchstücke haben kann ohne Speißrückstände, sollte zu schlagen, um schöne Behausungen für die Krabben bieten zu können. Porotonsteine kaufen geht natürlich auch, aber für mich liegt Reiz darin mit offenen Augen durch die Welt zu laufen es zu sehen und fragen und mitnehmen zu können. Die Tiefe des Ziegels hier ist ungefähr 10cm. Oft kommen so erstaunliche Lösungen zustande.

 

Die Häutung der Krabben findet in der Regel im Wasser statt, sodass man schon deutlich unterscheiden muss zwischen Bademöglichkeit und normalen Aufenthalt. Also muss ich Aufbauten im Wasser anbieten, wo sich die Tiere nicht so unglücklich verkeilen können, dass sie entweder ertrinken, oder sich Gliedmaßen ausreissen bei der Häutung. Denn dann wird die Häutung zu einen Vabanquespiel, welches häufig tödlich endet. Am besten man gestaltet die Badestube so, das sie halbdunkel bis dunkle Stellen bietet. Einblicke sollte so gestaltet sein, dass die Tiere sie nicht als störend wahrnehmen und man trotzdem eine gute Kontrolle hat. Die Bademöglichkeit kann bei größeren Anlagen aus einem kleinerem Bassin bestehen oder aus einer entsprechenden Dose aus HDPE (auf den Plastikdosen ist das Zeichen Glas und Besteck zu sehen) und aus dem Haushaltsbereich Küche kommend oder geeignet.

Hier eine Keksdose mit einer Abdeckung einer Kunstschieferplatte aus dem Baustoffhandel (HDPE).

 

Wenn das Wasser zu dreckig ist oder anfängt zu riechen, kann man so einfach es wechseln und auch den Behälter einfach desinfizieren, sprich Spülmaschine.

 

Als Zootierpflegemeister geht man da ziemlich unsentimental heran, denn die Unzweckmäßigkeit kostet im Job ohne Ende Zeit. Ich will meine Pfleglinge bei Kontrolle schnell, und ohne wenn und aber sehen, und beurteilen können. Alles andere ist Murcks und führt langfristig zu wachsenden Komplikationen.

 

Interessant ist, das selbst für's übelste grabend bekannte Arten sofort auf die bestehende Unterschlüpfe zurückgreifen, wenn sie da sind und sehr schnell merkwürdiger Weise ihre Scheu verlieren. Die dominanten Tiere belegen sie sofort. Die Unterlegenden müssen sich mit den ergebenden Spalten, neben der Wohnhöhle der „Starken“ begnügen, welches sie ohne zu graben auch tun. Hier wird durch „Kotwürstchen“, sehen fast aus wie Marderkacke, auch demonstriert, diese „Wohnung“ ist besetzt. Man scheißt also vor die Hütte um anzuzeigen hier bin ich wohnhaft und auch wie fit man ist, durch die Konsistenz und Grösse der einzelnen „Köttel“, auch die Anzahl scheint ein Kriterium der Fitness zu sein. Zusätzlich schafft man durch den Wall ein recht blickdichten „Vorhang“, der Geborgenheit vermittelt. Frische Köttel glänzen und sind recht glatt, spätere stumpf und porig. Da die Krabben vor der Häutung die Nahrungsaufnahme einstellen, um so aus der alten Haut leichter herauszukommen, ist also der Scheißhaufen vor der Hütte durchaus ein Indikator ob eine Häutung ansteht oder nicht, da die Köttel so nach 2-3 Tagen den Glanz verlieren.

 

Nun sind ja Welshöhlen eine Möglichkeit, die in der Regel nicht gerade kostengünstig ist, wenn man wie ich, einige Krabben mehr beherbergt. Obwohl sie optisch mit Moos bewachsen richtig gut aussehen.

 

Also musste Ersatz her. Wie immer multifunktional, zweckmäßig und kostengünstig. Dabei spielt die Ästhetik des Betrachters erst einmal eine untergeordnete Rolle. Also nehme ich Prolo-Kal Rohre.

Diese Rohre werden im Sanitärbereich als Abflussrohre genommen (sog. Flüsterrohre).

Sie sind so schwer, das sie nicht schwimmen, wie dies die grauen HT-Rohre tun. Das Plastik ist aus HDPE, also Weichmacherfrei, UV-Beständig, sowie Säure und Laugen fest. Zu recht geschnitten werden diesen entweder mit einer Stichsäge oder für geübte mit einem Trennschleifer freihändig - ansonsten fixiert. Vorteil mit einem Trennschleifer ist, das man die Kanten gleich mit abgraten kann.

 

Sollten Krankheiten ausbrechen, so sind dieses Rohre spülmaschinenfest (also funtzt der Autoklav der Hausfrau) und somit wiederholt einsetzbar ohne Krankheiten zu übertragen. Auch kann man sie hervorragend für Krebsbehausungen ebenfalls verwenden.

HT-Rohre und diese Variante: Elektrorohre, gehen wegen der Abgabe von Weichmachern an das Wasser nicht (besonders bei weichem Wasser) !

 

Entweder die Rohre das orangene oder wie untere Bilder die Rohre von oben zählend 1,3,4,5 (wobei Nr. 1,4,5, Prolo-kal heißen, Nr. 3 ist ein Druckrohr bis 10 bar aus HDPE und das HT-Rohr

ist Nr. 2). Gibt es ab 1m Länge in unterschiedlichen Durchmessern, wie man sieht. Die Dichtringe werden entfernt falls vorhanden !

Weiter geht es mit Teil 2

 

Bei den Fotos und Text liegen alle Rechte komplett bei Fred Rosenau

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