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Grundlagen der Krabbenhaltung und Zucht Teil 3 von Fred Rosenau

Die Krabbe im rechtem Licht …

von

Fred Rosenau

Tierpflegemeister 

Der Beleuchtung kommt natürlich auch eine Bedeutung zu, die oft vernachlässigt wird. Dabei kommt es nicht nur darauf an wie wir unsere Pfleglinge wahrnehmen, sondern dient nicht auch den möglichen Pflanzen als wichtige Quelle wachsen zu können, aber ganz wichtig den Krabben auch untereinander damit sie sich im richtigem Licht sehen.

 

So dazu erst einmal ein bisschen Physik. Jetzt malt sich entsetzen auf die Stirn des Lesers und ein lautes „Uff“ entweicht. Keine Angst ein bisschen Grundlage schadet nie und so schwer ist es nun auch nicht. In der Literaturliste für alle Teile zum Schluss ist dann jede Menge vorzufinden, um tiefer in die Materie einzusteigen.

 

Was ist eigentlich Licht ?

Licht ist eigentlich nichts anderes als elektromagnetische Wellen, wovon hier nur der Bereich für uns Menschen von 100nm bis 10.000nm von Interesse ist, der als optische Strahlung bezeichnet wird.

 

Die Unterteilung der optischen Strahlung

Wellenlänge in Nanometer (nm)                    Bezeichnung

10.000---3.000                                                           Infrarot C

  3.000---1.400                                                           Infrarot B

 1.500---    780                                                           Infrarot A

Sichtbare Strahlung                                                   Farbempfindung des Menschen

     780---   627                                                           Rot

     627---   589                                                           Orange

     589---   566                                                           Gelb

     566---   495                                                           Grün

     495---   436                                                           Blau

     436---   380                                                           Violett

                                                                                                         

     380---   315                                                           Ultraviolett A

     315---   280                                                           Ultraviolett B

 

     280---   100                                                           Ultraviolett C

 

Interessant ist das Tiere ein anderes Wahrnehmungsspektrum haben können und haben. Bei Guppys ist dies zum Beispiel bekannt. Bei Krebsen wird es etwas schwieriger, aber Farbsehen ist bei etlichen Krabben eindeutig nachgewiesen, wobei hier die gleichen Sehfarbstoffe wie bei Wirbeltieren dafür verantwortlich sein sollen.  Es gibt Crustaceen, die können im Ultravioletten, einige durchaus wohl auch im Ultraroten, Bereich durchaus sehen.

Abb: Beachte den Unterschied zwischen Mittag- und Abendlicht

 

Das Auge der Krabbe

 

Hierbei ist nicht nur der direkt eintreffende Lichtstrahl von Interesse, sondern auch die indirekten Lichtstrahlen und Reflektionen. Ermöglichen sie doch das Formensehen. Die Selektion der Absorbtion bzw. die Reflektion ermöglicht die Erkennung der Gegenstände nicht nur nach Form sondern nach Farbe. Auch polarisierendes Licht kann erarbeitet werden und dient so der Orientierung.

 

Schematischer Aufbau eines Krebsauges

Oben das Schemata eines Krabbenauges. Darunter die mögliche Abb von Gegenständen Mensch/Insekt, wobei die Krabbenaugen auf Grund ihrer Dichte der Ommatiden fast wieder ein Bild zusammen Abbilden.

 

8.000 Facetten ( Ommatiden) bei Krebsen und bei Landkrabben bis zu 9000 und mehr und werden als Superpositionaugen bezeichnet.

 

Diese Abbildung erklärt auch warum Insekten und Krebse/Krabben unsere schnellen Bewegungen als sehr langsam empfinden und in der Regel bequem ausweichen können. Schwierigkeiten bereiten Ihnen aber der Nahbereich, wo sie nicht so gut sehen.

Foto: Krebsauge Goniopsis pelii

 

Bei Krebsen die viel im Freien sich bewegen ist es sinnvoll einen 360° Winkelblick zu haben.

 Foto: Goniopsis pelii

Exkuvie einer Krabbe der Gattung Geoseresama sp.

Bild: Sascha Treib

Sehr schön sind die komplette Häutung der Augenpartie zu sehen.

Bild: Sacha Treib

Hier kann man sehr schön sehen wie alles ausgewechselt wird vom Exoskelett.

Besonders schön auch die eingelagerten Farbe rot.

 

Man sieht bei allen Krabben deutlich, dass die Augen mit gehäutet werden. Erstaunlicherweise können Extremitäten fehlen, aber Augen eigentlich nie. Wie bei den Reptilien werden die Augen leicht milchig und die Häutung beginnt mit den Augen. Besonders schön ist dies an den Augenstielen zu sehen die an glanz abnehmen, die Trübung bei den Augen deutet dann unmittelbar die Häutung in den nächsten 2 Tagen an . Nun ist erklärbar warum Krabben direkt vor der Häutung kaum Fressen, da sie nicht so gut sehen können, lassen sie aus Sicherheit das Fressen sein. Im Umkehrschluss wird natürlich vorher gut gefressen, um für die Häutung gerüstet zu sein. Wobei hier unterschieden werden muss, das gehaltvolle Nahrung nicht einfach bedeutet viel hilft viel. Es müssen dazu die Vitamine, Fette etc. im richtigen Verhältnis stehen und die sind entscheidend. Aber dazu im späteren Ernährungsteil mehr. Bedenkt man, dass die Bilder aus einzelnen Facetten zusammen gesetzt werden, sieht man auf den Fotos deutlich wie klein diese sind trotz Makroaufnahme, so dass man meint ein Auge zu sehen.

 

Wie beleuchte ich nun meine Krabbenbehausung richtig ?

Hier kann man beruhigt auf Erfahrungen aus der Aquaristik und Terraristik zurückgreifen. Es hat sich als Vorteilhaft erwiesen die Leuchtstoffröhren der Firma Osram beispielsweise zu nehmen, wobei Phillips zu Osram zählt und Natura zu General Electric. Die Herstellung von Leuchtmittel ist generell ein sehr komplexes und aufwändiges Verfahren, welche entsprechende Umweltauflagen unterliegen. Das heißt um Rentabel arbeiten zu können, werden die Röhren in großen Mengen hergestellt, welcher Name nun draufsteht ist dann eine Geschmackssache.

 

Abb. Zeigt die unterschiedlichen Leuchstoffröhren mit ihren Spektren

 

Von Osram nachfolgend die Lampen die in der Aquaristik und Terraristik Verwendung finden.

Nachdem man nun dachte Ok an alles gedacht. Muss man sagen leider nein. Denn es gibt Arbeiten über den Einfluss des Lichtrythmuses und besonders wichtig bei tropischen Arten schon festgestellt die Auswirkung von UV-Licht für die Reproduktion ! Und Stoffwechselunterstützung ebenso.

 

Das mal ein wenig aus meinem Beruf geplaudert:

 

Im Zoo Berlin merkten wir das besonders die Blattfressenden Affen in den Wintermonaten erheblich an Kondition einbüssten und das Fell stumpf wurde und die Haut so gräulich schuppig. Auch haben die Tiere extrem lange gebraucht um in den Vermehrungszyklus zu kommen. Ich sah das und meinte damals zu Raimon Opitz: Will ja nicht unken aber das hat mein Hausarzt mal erzählt und Bilder gezeigt. Ähnelt mangelndes UV-Licht irgendwie. Raimon sofort los und UV-Brenner geholt und über die Zwischengänge installieren lassen. Wir haben uns dann an die Beleuchtungsdauer an Kinder gehalten, denn das waren richtige Brenner. Und was soll ich sagen die Affen haben sich komplett verwandelt. Fell glänzte die Haut besser und auf einmal klappte das mit den Zyklen wieder. Im Aquarium hörte man davon und begann dann damit auch zu experimentieren. Und die Erfolge stellten sich dann auch bei etlichen Sachen urplötzlich ein. Man muss dazu wissen das es kleinere UV-Lampen wie heute nicht auf dem Markt gab. Das ist heute schon bedeutend besser.

 

 

Hierbei gilt es allerdings ein paar Sachen zu berücksichtigen:

UV A Licht: Diese haben eine positive Auswirkung auf den Stoffwechsel, Vitalfunktionen, der Farbwahrnehmung sowohl der Artgenossen, der Nahrung, als auch der Umgebung, stärkt das Immunsystem, die Vermehrung insgesamt (hierzu gehören Geschlechtsprodukte etc).

 

UV B Licht: Wichtig bei dem Aufbau des Panzers, dem Skelett der Krabben. Verdauungsförderung und Aufnahme von Mineralien.

 

UV-C Licht:  Dieses ist vernachlässigbar, da diese von der Atmosphäre absorbiert wird.

 

Das UV Licht sollte wie ein Spot ausgerichtet werden und wird in Kombination mit den normalen Leuchtmitteln verwendet. Das heißt, ein Reflektor ist Pflicht um den Krabben auch die Möglichkeit zugeben sich aus dem Bereich der UV-Strahlung heraus zu begeben. Die Lampe muss so bemessen sein, dass die Krabben nicht blind werden ! Denn Krabben haben keine Augenlider, die die empfindlichen Sensoren auch schützen. Dies erklärt auch das Krabben zur Mittagszeit sich am liebsten sonnen, da hier die UV Strahlung am höchsten ist. Das spricht dann wiederum dafür, dass sie es steuern können, wann sie am meisten Aufnehmen. Das UV-Licht schafft die dicke Panzerung durchaus zu durchbrechen, zwar nicht tief aber immerhin, wichtiger allerdings sind hier die Dünneren Gelenk Ansätze und Extremitäten, da hier die Dicke sehr viel geringer ist. Dehalb kann man bei Wildfängen am Anfang deutlich sehen wie sie sich um die Mittagszeit von der Oberfläche her am größten präsentieren. Da hierüber bisher nichts in den vorliegenden Publikationen zu finden ist, nehmen wir uns als Orientierungspunkt die für bestimmte Reptilien als Vergleichsobjekt zu Hilfe. Heißt die UV- Stärken der in den oberen Baumkronen lebenden Reptilien sind das höchste was überhaupt angeboten werden darf. Dies gilt besonders bei Strandkrabben, denn da spielt die Reflektion bei hellen Sand eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bei dunklem Untergrund ist die Reflektion zu vernachlässigen, dagegen die Wärmespeicherung zu beachten.

 

Es sollten Keramikfassungen benutzt werden. UV Licht kann Glas nicht durchdringen, somit muss die Lampe im Behälter installiert werden. Es sollte auch daran gedacht werden diese für Krabben unerreichbar zu machen, da die Wärmeentwicklung zu Verbrennungen führen kann.  Es gibt hier unterschiedlichste Anbieter für viele Variationen in letzter Zeit, so dass man individuell bei den einzelnen Arten darauf reagieren kann.

 

 

Nachdem wir nun erst einmal die Krabbe ins rechte Licht gerückt haben werden wir uns nun auch dem Thema Pflanzen und Krabben mit dem Titel „Nicht nur zum Fressen gern – Grünzeug für Krabben“ im nächsten Teil zuwenden, denn man kann durchaus bei vielen Krabben Pflanzen zur Strukturierung und der Schönheit des Betrachters einbringen.

Der 4.Teil folgt in kürze !!!

Beim Text liegen alle Rechte komplett bei Fred Rosenau.

Fotos : siehe Kennzeichnung

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